Caterine Rollier

Catherine Rollier


EuropeDirect: Bitte erläutern Sie kurz Ihre Herkunft und Ihren Werdegang.

Rollier: Geboren in Biel-Bienne (Schweiz) absolvierte ich mein Studium an der Hochschule für Gestaltung in Basel. Nach meinem Diplom 1978 lebe und arbeite ich seit 1980 in Wien als freischaffende bildende Künstlerin und Graphik-Designerin und seit 2006 als Dozentin für Kommunikationsdesign. Meine Arbeiten visualisieren durch unterschiedlich entwickelte Bildsprachen und Medien existenzielle Phänomene und beschäftigen sich mit Zeichen. Durch die konzeptionellen Zugänge in Form von Werkserien und Installationen ergeben sich künstlerische Bezüge der Wahrnehmung von Veränderung sowie deren Lesbarkeit und Bedeutung.

EuropeDirect: Wie kamen Sie zu Ihrem Engagement für Europa? Was gab den Ausschlag und wie ging es weiter?

Rollier: Anstoß ist die brennende Frage nach der heutigen Identität Europas. Die derzeitigen äußeren Zwänge, die das Menschliche in den Hintergrund drängen, werden zur gemeinschaftlichen Aufgabe, Europa als eine Gemeinschaft von Menschen zu begreifen – es gilt eine Zukunftsgestaltung Europas zu entwerfen, die eine gleichberechtigte, pluralistische, offene, gebildete und laizistische Gesellschaftsform darstellt und von einem fairen sozialpolitischen Gleichgewicht und von gegenseitigem Respekt, Solidarität und Verantwortung getragen wird. Durch diese Notwendigkeit wurde der Verein europe:united in Wien gegründet, dessen Ziel – über die parteipolitischen Grenzen hinaus gehend – das Nachdenken, Erarbeiten und Entwickeln einer Europäischen Deklaration ist. Um dieses Ziel mit einem visuellen Zeichen zusätzlich zu kommunizieren und inspiriert durch das Engagement der Vereinsbegründer, habe ich dieses Logo als Symbol für ein vereintes Europa, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt, als Beitrag geschaffen.

EuropeDirect: Was können Sie uns über das Europa-Herz, welches Sie entworfen haben und das nun das offizielle Logo von europe:united ist, erzählen?

Rollier: Die visuelle Umsetzung dieses Zeichens, das als Emblem, Flagge allgemein verstanden werden soll, muss eine klare Idee verkörpern. Diese referenziert auf die EU-Identity in Bezug auf die zwölf goldenen Sterne auf blauem Hintergrund und nun bilden sie vergrößert – also gestärkt – und miteinander verbunden ein Herz als Hinweis zum Menschlichen; Menschen bilden in erster Linie diese Gemeinschaft.

EuropeDirect: Geben Sie bitte eine kurze Einschätzung über die weitere Entwicklung Europas ab. Derzeit sieht es ja nicht allzu gut aus, oder?

Rollier: Wenn weiterhin nur ökonomische oder andere profitable Interessen – nationale Egoismen, soziale Ungerechtigkeiten, Missachtung der Menschenrechte dominieren, die zu Trennungen, Spaltungen und gesellschaftlichen Entfremdungen führen – wird Europa als Friedensprojekt scheitern und die positiven Errungenschaften bald verlieren. Die zwingende Herausforderung ist es diesen Horizont und Gefahr zu erkennen und sich auf eine Gemeinschaft im Sinne des Miteinander als Chance für ALLE in einer neuen Dimension zu besinnen: ALL FIRST.