Robert Menasse und Wolfgang Burtscher diskutierten in Bregenz über das Buch „Die Lebensentscheidung“, die EU und deren Mitarbeitende und die Demokratie als Prozess.
Robert Menasse schildert in seinem Buch „Die Lebensentscheidung“ das Leben des EU-Beamten Franz Fiala, der frustriert seine Tätigkeit für die EU beendet. Gibt es tatsächlich Mitarbeitende wie Franz Fiala oder den im Buch ebenfalls geschilderten Schimmelpfennig bei den europäischen Institutionen? In welche Richtung entwickelt sich die EU? Und wie demokratisch sind die Entscheidungsprozesse in der EU?
Über diese Fragen diskutierte der Autor Robert Menasse mit Wolfgang Burtscher am 8.9.2026 vor einem vollbesetzten Saal im Theater Kosmos in Bregenz. Wolfgang Burtscher arbeitete bis 2025 als Generaldirektor für den Bereich Landwirtschaft und ländliche Entwicklung bei der Europäischen Kommission. Nach der Begrüßung durch Martina Büchel-Germann, Vorständin der Abteilung Europaangelegenheiten und Außenbeziehungen beim Amt der Vorarlberger Landesregierung, führte Jürgen Thaler vom Felder-Archiv durch den kurzweiligen und hochinteressanten Abend. Eingeladen zur Veranstaltung hatten EUROPE DIRECT Vorarlberg und das Franz-Michael-Felder-Archiv der Vorarlberger Landesbibliothek.
Arbeiten bei EU-Institutionen
Robert Menasse schilderte zum Einstieg, wie er für seine Bücher zu EU-Themen recherchiert. Er lebte beispielsweise vier Jahre lang in Brüssel, um sich selbst ein umfassendes Bild von den EU-Institutionen in Brüssel machen zu können. Dort gibt es ohne Zweifel viele hochqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich für die Weiterentwicklung auf europäischer Ebene einsetzen. Ein Fakt jedoch ist, dass Beamte – im Land, im Bund, bei der EU – nie gewählt werden, sondern die Politik der gewählten Regierung bzw. Vertreter/innen umzusetzen haben, was bei Änderungen der politischen Zielsetzung zu einem gewissen Spannungsfeld führen kann. Wolfgang Burtscher erläuterte die Situation im Bereich Landwirtschaft: War bis 2020 der Green Deal das vorherrschende Thema, änderte sich das im Laufe der letzten Jahre. Derzeit wird eine zunehmende Renationalisierung des landwirtschaftlichen Förderbereichs angestrebt, um besser auf regionale Besonderheiten eingehen zu können.
Demokratie und Entscheidungsprozesse
Die Diskussion drehte sich auch um das Thema, ob es ein sogenanntes „Demokratiedefizit“ in der EU gibt. Doch wie definieren wir Demokratie? Schon allein bei den EU-Mitgliedstaaten gibt es 27 verschiedene Formen der Demokratie wie z.B. eine Republik oder eine konstitutionelle Monarchie, Wahlalter ab 16 oder 18 Jahren, Mehrheitswahl oder Verhältniswahl. Die Demokratie ist ein Prozess und entwickelt sich laufend weiter. Auf europäischer Ebene müssen die Gesetze sowohl vom Europäischen Parlament als auch vom Rat eine Zustimmung erhalten, was die Beschlussfassung generell erschwert. Die Regierungschefs, aus denen sich der Rat zusammensetzt, werden national gewählt und stellen daher meist ihre nationalen Interessen in den Vordergrund.
Keine Alternative zur EU
Das Fazit von Robert Menasse lautet: Es gibt nicht nur gute Gründe für das Bestehen der EU, sondern es ist auch notwendig, die europäische Idee zu verteidigen, wenngleich man sie auch nicht schönreden muss. Eine kritische Auseinandersetzung und das Finden von gemeinsamen Lösungen sind wichtig.
Nach der Veranstaltung, die viele Anregungen und Gesprächsstoff lieferte, konnten sich die Besucherinnen und Besucher im Foyer miteinander austauschen oder weiterdiskutieren. Am Büchertisch signierte Robert Menasse Bücher und der Infotisch von EUROPE DIRECT Vorarlberg versorgte Interessierte mit EU-Informationsbroschüren.











